Es ist nicht nur die zunehmende Alterung der Gesellschaft, die den Ruf nach barrierefreiem Wohnen erzeugt hat. Schon in den achtziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts setzte sich mehr und mehr die Erkenntnis durch, dass Menschen mit Körperbehinderungen spezielle Formen des Wohnens benötigen, die von denen gesunder Menschen abweichen. Beim Wohnen, aber auch für öffentliche Gebäude, sollte der barrierefreie Zugang den behinderten und älteren Menschen mehr Mobilität und Teilnahme am allgemeinen Leben ermöglichen.
Soll eine Wohnung barrierefrei sein, so muss eine Wohnung vom Bürgersteig bis auf den Balkon barrierefrei zu nutzen sein. Keine Stufe, kein Absatz, keine Schwelle darf den Zugang stören. Seh- und Gehbehinderten sowie Rollstuhlfahrern sollte mit der Baunorm für barrierefreies Wohnen eine neue Wohn- und Lebensqualität vermittelt werden. Neben der Zugänglichkeit der Wohnung und des Balkons ist das Badezimmer von besonderer Wichtigkeit. Wenn eine Wohnung als barrierefrei bezeichnet wird, muss auch der Zugang in eine Dusche schwellenfrei angelegt sein und im Badezimmer ein besonderer Bewegungsraum für Rollstuhlfahrer vorhanden sein. Das gilt auch für die Küche.
Wer eine Wohnung kennt, die nach der Baunorm für barrierefreies Wohnen gebaut ist, fragt sich, warum nicht alle neuen Wohnungen so gebaut werden. Denn die Barrierefreiheit bringt nicht nur Vorteile für Behinderte und Senioren, sondern auch für Familien. Mütter und Väter mit Kinderwagen werden es zu schätzen wissen, wenn sie ohne Stufen zum Fahrstuhl und in die Wohnung gelangen. Kinder, die einen Roller oder ein Fahrrad ins Haus bringen müssen, können dies viel leichter tun. Und wenn eine Waschmaschine ins Haus gebracht werden muss, kann das mit einer stabilen Sackkarre geschehen. Ein Einkaufstrolley kann leicht in die Wohnung gezogen werden. Viel Mühe, sogar Verletzungen, könnte man sich sparen, wären alle Wohnungen barrierefrei gebaut.
Doch barrierefreies Bauen hat seinen Preis. Für das Bad und die Küche wird mehr Grundfläche gebraucht, die Wohnungen werden größer und teurer. Viele Installationen im Sanitärbereich sind aufwendiger, auch das erhöht die Kosten. Und so schrecken viele Bauherren davor zurück, der Vernunft und dem Komfort zu folgen. Für Seniorenheime allerdings ist die Baunorm Pflicht und bei öffentlichen Gebäuden ist Barrierefreiheit gesetzlich geregelt und verpflichtend vorgegeben.
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